Johann Valentin Rathgeber muss als Phänomen der europäischen Musikgeschichte angesehen werden. Mit seinem Kompositionsstil befindet er sich an der Schwelle zum so genannten „galanten Stil“ und zählt zu den Komponisten, die bereits in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts den Stilbruch zwischen Barock und Klassik vorbereitet haben. Dieser Stilumbruch wurde im Norden maßgeblich von Georg Philipp Telemann, im katholischen Süden in erster Linie von Rathgeber getragen. Und auch in anderer Hinsicht muss Rathgeber, der 1682 in Oberelsbach geboren wurde, als Phänomen gesehen werden: schrieb dieser Benediktinermönch doch nicht nur ernste Kirchenmusikliteratur, sondern tat sich darüber hinaus auch als Autor zahlreicher lustiger, ironischer und oft auch zeitkritischer Lieder heraus, die leicht ins Ohr gehen und dennoch den Zuhörer mit oft verspielten Passagen überraschen. Den meisten Musikliebhabern dürfte Rathgeber durch sein „Ohrenvergnügendes und Gemüthergözendes Tafelconfect“ bekannt sein, das aufgrund seines Verlagsortes – nota bene wurde Rathgebers Werk, der ja katholischer Benediktinermönch war im protestantischen Verlagshaus Johann Jakob Lotter veröffentlicht – auch als „Augsburger Tafelkonfekt“ bezeichnet wird, bekannt sein. Doch dies ist nur eine Facette seines Schaffens. Oftmals wird in den Konzerten leider nur vom Tafelkonfekt genascht, während die Hauptspeise – die kirchliche Musikliteratur aus seiner Feder – oft beiseitegelassen wird.
Die 1963 durch Dr. Sixtus Lampl wiederentdeckte und neu aufgeführte Kantaten-Messe "Missa II S. Scholasticae Virginis Abbatissae" (Opus III/2) wird am Ostermontag, den 1. April 2013 um 15:00 Uhr in der Zollingerhalle in Valley samt Rathgebers Osteroffertorium "Haec dies, quam fecit Dominus" vom Kirchenchor Oberdarching-Laindern mit seinen Solisten und dem Schloßorchester Valley zur 50jährigen Wiederkehr der Erstaufführung neu zum Klingen gebracht.Zwischen den einzelnen Hauptstücken wird der bekannte Heidelberger Organist Peter Sigmann auf den Orgeln ebenso prachtvoll improvisieren. Kaffeepause im geheizten Zelt bei der Zollingerhalle. Karten zu 10 € bitte beim Veranstalter vorbestellen.
Am 3. März 2013 fand im Rittersaal der Benediktinererzabtei St. Ottilien ein Konzert mit Werken Johann Valentin Rathgebers (1682-1750) statt. Zu Gehör kam Ausgewähltes und Erlesenes aus dem sog. "Augsburger Tafelconfect". Die Stücke wurden garniert mit Schlagarien für das Clavicembalo. Serviert wurden die Werke von Ursula Mann (Sopran) und Christian Brembeck (Cembalo).
Dargeboten wurden von den Künstlern heitere wie nachdenkliche Lieder so z. B. "Von der Music, ein Zeichen der Seligkeit", "Von der edlen Music", "Alleweil ein wenig lustig", "Von allerhand Nasen", "Von Erschaffung Adam und Eva" und "Von den Weibsbildern". Weitere Informationen zum Programm, zum "Ohrenvergnügenden und Gemüthergötzenden Tafelconfect", zu Johann Valentin Rathgeber und den Künstlern finden Sie hier.
Am 10. Februar 2013 führt Martin Zöbeley, Musikwissenschaftler, Chorleiter und mit vielen Fähigkeiten begabter Musiker mit der Gruppe für Alte Musik München ein Konzert unter dem Titel
TAFEL - CONFECT
im Johannissaal des Schlosses Nymphenburg in München als Matinee um 11 Uhr auf. Das Programm wird ausschließlich mit Werken von Johann Valentin Rathgeber bestritten.
Karten sind zu € 18,- (ermäßigt € 15,-) ab 10 Uhr an der Konzertkasse erhältlich; Vorbestellungen unter Tel. 089 2608996 oder
Weitere Informationen finden Sie auch auf der Homepage des Veranstalters: http://www.vokal-ensemble-muenchen.de
Am 11. Juli feierte die katholische Kirche das Fest des Hl. Benedikt von Nursia (um 480-547), dem Verfasser der sog. „Regula Benedicti“, auf das sich das benediktinische Mönchtum gründet. Seit 1964 gilt er als einer der Patrone Europas. Ab dem 11. Jahrhundert wurde der Gedenktag des heiligen Benedikt an seinem Todestag, dem 21. März begangen. Mit der Erhebung des Festes des heiligen Benedikt in den liturgischen Kalender der Gesamtkirche wurde 1970 der Gedenktag jedoch auf den 11. Juli verlegt.
Auch Rathgebers Professkloster Banz gehörte bis zur Säkularisation 1803 dem Benediktinerorden an. Die Internationale Valentin-Rathgeber-Gesellschaft Oberelsbach e.V. nahm den Gedenktag des Hl. Benedikt daher zum Anlass, in der Stiftskirche Banz eine Barockvesper mit Werken des Oberelsbacher Barockkomponisten zu gestalten. Der Vesper stand als Offiziant P. Dr. Placidus Berger, langjähriger Kongregationssekretär und Generalprokurator der Kongregation von St. Ottilien in Rom und zeitweise auch Sekretär des Abtprimas der Benediktiner, vor.